Haus und Huhn

Wie wir auf’s Huhn gekommen sind

Der Traum von eigenen Hühnern

Schon ewig haben wir von eigenen Hühnern geträumt, doch die Lebensrealitäten in der (städtischen) Mietwohnung ließen das nicht zu. Allerdings hatten die Vermieter unserer letzten Wohnung, die sich bereits auf dem Land befand, einige Hühner, die frei über das gesamte Grundstück streifen durften. Die Hühner waren schon da, als die Vermieter den alten Hof erwarben, sie gehörten quasi mit zum Inventar. Für uns waren es prima Probehühner und sie bestärkten uns absolut in unserem Wunsch. Natürlich wollten wir aber auch einiges anders machen als dort. Vor allem wünschten wir uns eher eine kleine Rasse, nicht so riesige Brahma-Mischungen. Hier berichten wir euch, wie wir auf’s Huhn gekommen sind und was die Vor- und Nachteile der Rasse Chabo sind.


Hübsch, aber doch ein bisschen zu riesig: Der Hahn unserer Vermieter war gut kniehoch

Die Entscheidung für eine Hühnerrasse

Nach dem Erwerb unseres Eigenheims wollten wir uns unseren Traum von der eigenen Hühnerherde erfüllen. Zunächst standen die Fragen im Raum, wie groß unsere Herde werden soll und welche Rasse wir uns zulegen möchten. Von Anfang an klar war, dass es Zwerghühner sein sollen, für’s Erste dachten wir an maximal zehn Exemplare, mehr werden es im Zweifelsfalle von allein.

Durch das Gespräch am Gartenzaun stellten wir dann fest, dass unser Übernachbar Hühnerzüchter ist und gerade einige Junghennen übrig hat, die wir nehmen könnten und die anderenfalls den Weg in den Kochtopf finden würden, weil sie seinen Züchteransprüchen nicht genügten. Es handelt sich bei seinen Hühnern um die Sorte Chabo, eine Urzwergrasse, die besonders wegen ihrer kurzen Beinchen auch heute noch gezüchtet wird.

Gerade die kurzen Beinchen ließen uns zunächst unsicher sein, ob sie dadurch nicht in ihrem natürlichen Verhalten eingeschränkt sind, im Internet kann man lesen, dass sie nicht richtig scharren können, weshalb man sie oft für kleine Gärten empfiehlt, weil sie den Rasen angeblich nicht ruinieren. Das mag vielleicht praktisch sein, aber für uns wären verhaltensgestörte Deko-Hühner definitiv keine Option. Wenn wir uns für Tiere entscheiden, dann soll es ihnen gut gehen und wenn ihnen dabei der Rasen zum Opfer fällt, dann ist das eben so. Wir besuchten also zunächst den Nachbarn, um uns die Tiere anzusehen. Es empfing uns eine fröhliche Hühnerschar, die lebhaft dabei war, den Garten umzupflügen – von eingeschränktem Verhalten war keine Spur und damit war klar, dass wir seine Hühner nehmen würden.

Die scharren nicht und der Rasen sieht auch super gepflegt aus…

Vor- und Nachteile der Rasse Chabo

Ein Vorzug dieser Rasse ist (abgesehen davon, dass sie nicht scharrt 😀 ) die geringe Lautstärke der Hennen. Sie gackern kaum, wenn sie ein Ei gelegt haben. Der Hahn hingegen ist recht krähfreudig, aber das Krähen ist nicht besonders weitreichend. Es klingt allerdings auch nicht gerade hübsch, sondern ist eher die Variante rostiges Gartentor.

Mephisto kräht

Nur manchmal machen auch die Hennen Geschrei, wenn die Nachbarskatze zu nahe kommt. Das ist auch einer der Nachteile der Hühner: Sie sind recht ängstlich. Vor allem unser Fräulein Else ist eine richtige Paniktüte. Sie schafft es, sich vor dem eigenen Flügelschlagen zu erschrecken.

Angeblich soll man die Rasse gut handzahm bekommen, das können wir im Moment noch nicht bestätigen, aber wir fangen auch grad erst damit an, sie aus der Hand zu füttern. Wie sich das entwickelt, werden wir hier beizeiten berichten.

Optisch sind die Chabos durchaus hübsch, sie haben einen u-förmigen Körper mit sehr hoch aufstehenden Schwanzfedern. Der Hahn trägt einen großen, leuchtend roten Kamm. Dieser lässt sich zwar schön anschauen, ist im Winter aber extrem frostempfindlich. In unserem ersten Hühnerwinter hat Mephisto gleich einige Zacken aus seiner Krone verloren.
Es gibt die Rasse in einigen verschiedenen Farben. Als Laie würde ich unsere als schwarz-weiß, cremefarben und rötlich bezeichnen, aber die korrekten Farbnamen lauten sicher anders.


Mephisto und Mrs. Patmore. Gut zu erkennen: der u-förmige Körper und die kurzen Beine

Wichtigstes Kennzeichen sind sicher die kurzen Beinchen. Die Hühner sausen damit aber völlig ungehindert durch den Garten, auch hohes Gras oder unsere sehr lange Hühnerleiter machen keine Probleme. Wir mussten uns an den Anblick der „tiefergelegten“ Hühnchen aber erst einmal gewöhnen, sie sind schon irgendwie witzig, wenn sie durchs Gehege flitzen.

Sie können auch ganz gut fliegen, aber sie flattern nicht über den Zaun, auch wenn sie es könnten.

Die Legeleistung der Chabos ist eher mittelmäßig. In guten Phasen legen sie täglich, aber im Winter bekommt man nur wenige Eier. Im Frühling wollen sie brüten, dann sieht es ebenfalls schlecht aus. Gute Phasen gibt es im Sommer und im Herbst. Die Farbe der Eier ist hell, der Geschmack ist gut, jedoch haben wir eine Henne, die manchmal Stinkeeier legt. Geschmacklich sind sie ganz normal, aber sie stinken nach Fisch, das macht sich im Kuchenteig eher suboptimal. Auch hier stimmen unsere Erfahrungen nicht mit den Informationen aus dem Internet überein, denn dort heißt es, dass die genetische Disposition für Fischeier nur Braunleger betreffen würde, aber unsere Eier sind weiß. Weil Chabos Zwerghühner sind, sind die Eier natürlich sehr klein und man bekommt keine passenden Eierbecher. Auch ein Eierlöffel passt nicht hinein.


Links ein gekauftes Ei, rechts ein eigenes

Chabos sind sehr brutwillig, im ersten Frühjahr lief unser Mephisto tagelang allein draußen rum, weil alle Damen gleichzeitig brüten wollten. Auch als Mütter sind sie gut und fürsorglich. Unsere Hennen haben sich gemeinsam um die Küken gekümmert und sich auch beim Brüten teilweise abgewechselt. Besonders intelligent wirken unsere Hühner dabei nicht. Angeblich merken Glucken z.B., ob ein Ei befruchtet ist oder bereits abgestorben. Unsere Hühner merken nix. Die brüten sogar weiter, wenn gar kein Ei drunter liegt oder sie bebrüten den Betonmarienkäfer, den ich in Ermangelung eines Legeeis ins Nest gepackt habe. 😀
Eigentlich wollten wir die Hühner keine eigenen Eier ausbrüten lassen, weil wir gelesen hatten, dass die Schlupfrate sehr schlecht sein soll. Wenn wir das richtig verstanden haben, ist die hohe Küken-/Embryonensterblichkeit auch der Grund, weshalb diese Rasse unter Qualzuchtverdacht steht (nicht die Kurzbeinigkeit an sich). Bei unserer ungeplanten ersten Naturbrut sind zwei von drei Küken geschlüpft, das dritte war voll entwickelt, hat es aber nicht aus dem Ei geschafft. Die Ursache dafür liegt aber eher darin, dass die Brutbedingungen nicht gut waren, weil wir die Hühner eigentlich im ersten Jahr noch gar nicht brüten lassen wollten. Der Schnabel schaute schon heraus und es piepste bereits, aber den Rest hat es nicht geschafft. Ich denke, das kommt bei allen Rassen mal vor. Im Internet findet man zwar einige Texte, die sich mit dem Qualzucht-Aspekt befassen, aber vieles davon ist schwer zu verstehen, wenn man sich mit Vererbungslehre nicht auskennt. Für uns wird dieser Aspekt in den nächsten Jahren nicht weiter relevant sein, weil wir den Hühnern bei der nächsten Brut ohnehin Fremdeier unterschieben werden, um Inzucht zu vermeiden.


Das Ergebnis unseres ersten Hühnerfrühlings: Nugget und Nummer Zwei

Alles in allem sind wir mit der Rasse Chabo zufrieden und lieben unsere kleine Herde, wir können sie aber wegen der Qualzuchtthematik nicht unbedingt weiterempfehlen und hätten uns die Rasse sicher auch nicht ausgesucht, wenn unser Nachbar die Tiere nicht anderenfalls geschlachtet hätte.

Was habt ihr für Rassen und welche Erfahrungen hab ihr mit ihnen gemacht? Habt ihr eine Idee, welche Eier wir unseren Glucken im nächsten Jahr unterschieben könnten (natürlich Zwerghühner)?

Herzliche Grüße
Grit und Dennis

 

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