Haus und Huhn

Wir bauen einen Hühnerstall

Das blaue Wunder – Wir bauen einen Hühnerstall

Nachdem wir sehr kurzfristig Hühner von unserem Übernachbarn bekommen konnten (wie es dazu kam und welche Rasse es ist, lest ihr im Beitrag „Wie wir auf’s Huhn gekommen sind„), brauchten wir sehr schnell einen Hühnerstall. Welchen Weg wir dabei genommen haben, könnt ihr hier lesen und ansehen.

Stall – der erste Versuch

Weil es nun so schnell gehen musste, war unser erster Versuch ein Fertigstall aus dem Internet. Angepriesen wurde er als „XXL Hühnerstall mit großem Freigehege“ und sollte etwa 350,- Euro kosten. Schon die angegebenen Maße zeigten, dass es sicher keine Dauerlösung sein würde, aber wir dachten, dass der Stall für den Übergang reichen würde und wir in den Herbstferien dann ein richtiges Hühnerhaus bauen könnten.

Als das Paket angekommen war, pinselten wir die unzählbaren Einzelteile so schnell wir konnten mit Grundierung und dann mit Farbe an, um beim Zusammensetzen der Teile festzustellen, dass die eigentliche Stallgröße ein Witz ist. Die Grundfläche entsprach etwa der einer handelsüblichen Umzugskiste. Hier würden wir die Hühner keine drei Wochen einsperren können.

Da wir schon fast alles angemalt hatten, beschlossen wir, dass wir den Stall dann eben als Gluckenheim nehmen, wenn es mal soweit ist. Für eine Henne mit ein paar Küken müsste er reichen.


Nur auf dem Papier ein XXL-Hühnerhaus

Stall – der zweite Versuch

Nach diversen und langwierigen Vorüberlegungen (hier nachzulesen) ging es nun an den Bau des richtigen Hühnerhauses. Die Basis bildet ein Kinderspielhaus von einem örtlichen Holzbauunternehmen. Die Grundfläche beträgt 1,80m x 1,90m und als erwachsener Mensch kann man in etwas gebückter Haltung darin stehen. Es verfügt über eine überdachte kleine Veranda, von wo aus man die Menschentür zum Stall öffnen kann. Hier kann man auch eine wasser- und mäusedichte Tonne mit Hühnerfutter lagern. Die Veranda erreicht man über eine Treppe, da das ganze Haus auf Stelzen steht.

So sieht das Haus auf dem Hof der Holzhandlung aus.

Die Stelzen werden wir etwas kürzen, aber auf jeden Fall beibehalten. Die erhöhte Position schützt das Innere vor aufsteigender Feuchtigkeit, auch wenn der Graben am Ende des Grundstückes mal über die Ufer treten sollte. Außerdem bietet der Raum unter dem Haus den Hühnern eine geschützte Fläche, wo sie sich unterstellen können, wenn es regnet, und wo man ein wettergeschütztes Staubbad unterbringen kann.

Doch wohin damit?

Der passende Ort für den Hühnerstall ist schnell gefunden: Von unserem Wohnhaus aus führt ein gewundener und mit Pflastersteinen belegter Weg in die Tiefe des Gartens. An seinem Ende soll das Haus stehen, sodass wir es immer trockenen Fußes erreichen können. Das Außengehege verläuft linksseitig des Weges, die Treppe zum Hühnerhaus fußt auf den Gehwegplatten.

Die Positionierung im hinteren Bereich des Gartens sorgt für einen etwa gleichen Abstand zu allen anliegenden Wohnhäusern, um das Gekrähe für niemanden zur Lärmbelästigung werden zu lassen.

                

 

Der Aufbau beginnt

Das Haus wird wenige Tage nach der Bestellung geliefert.

Die Lieferung erfolgt auf einer Palette

Bevor es an den Aufbau geht, wird wieder einmal fleißig grundiert und angepinselt. Gut, dass wir so eine große Terrasse haben…

Schon wieder so viele Einzelteile

Dann werden Einschlaghülsen in den Boden gerammt, damit das Haus einen stabilen Stand hat. Bei größeren Ställen empfiehlt sich sicher ein ordentliches Fundament, aber für unsere Ansprüche müssten die Einschlaghülsen reichen.

Mit Hilfe einer Schnur werden die Hülsen ausgerichtet

Anschließend wird das Podest aufgebaut, ausgerichtet und mit den Bodenhülsen verschraubt. Wir nehmen dafür die Unterkonstruktion des Spielhauses mit gekürzten Pfosten, aber ersetzen die einfachen Bretter der Grundplatte durch stabilere und dickere OSB-Platten (OSB 3). Diese werden wetterfest imprägniert und mehrfach mit Wetterschutzfarbe gestrichen.

Die Unterkonstruktion wird sorgfältig ausgerichtet
Zwei OSB-Platten für mehr Stabilität und gegen kalte Füße

Leider stellt sich beim ersten kleinen Regenschauer heraus, dass diese Platten gar kein kleines bisschen Feuchtigkeit vertragen, sondern sofort Abplatzungen bekommen. Nach einer Krisensitzung beschließen wir, dennoch bei unserem Konzept zu bleiben, da die Platten später ja keiner direkten Nässe mehr ausgesetzt sein würden. Während des Bauprozesses müssen wir sie eben immer schön abdecken.

Schöne Sch…

Der Aufbau der Wände geht dann sehr schnell, weil es sich um Fertigteile handelt.

Langsam kann man erahnen, wo es hingehen soll

Alles wird nach Anleitung miteinander und mit der Bodenplatte verschraubt. Über Nacht decken wir den entstehenden Hühnerstall mit einer großen Plane ab, da es momentan morgens sehr neblig und feucht ist.

Die Dachlatten werden angenagelt. Anders als vorgesehen wollen wir gern vorn und hinten einen Dachüberstand haben. Das führt dann dazu, dass wir die Abschlussleisten hinten nicht mehr richtig anbringen können, aber da es nur die Rückseite betrifft, ist uns das egal.

Zum Glück heute kein Regen

Auf das Dach kommen sich überlappende Bahnen von Dachpappe. Hier müssen wir sehen, ob das lange hält oder ob wir uns vielleicht im nächsten Jahr eine bessere Alternative überlegen müssen.

Sieht schon langsam wie ein kleines Häuschen aus

Nun wird es Zeit für die Farbe. Wir haben uns für eine Kombination aus Friesenblau und Weiß entschieden. Natürlich werden die weißen Elemente nicht lange weiß bleiben, aber das ist dann eben so.

Beginn des ersten farbigen Anstrichs

Kaum ist die schöne Farbe drauf, geht es auch schon wieder an die „Zerstörung“. Wir brauchen ja noch einen Ausschlupf, durch den die Hühner nach draußen kommen. Hier hat sich mein neues Lieblingswerkzeug bezahlt gemacht, eine kleine Säge, die sich auch mitten in einer Fläche ansetzen lässt. Es ist im Grunde eine Stichsäge, nur dass sie anstelle des sich auf und ab bewegenden Sägeblattes ein winziges Kettensägenblatt hat. Dadurch vibrieren auch die zu sägenden Teile nicht, was ich super finde.

Erzeugt schon etwas Unbehagen, die Säge anzusetzen, kaum, dass das Haus steht

Vor den Ausstieg kommt dann eine Platte, an der die Hühnerleiter befestigt wird, von der die Tiere aber auch einfach abfliegen können, wenn sie auf die Leiter keine Lust haben. Da die Hühnerklappe mein Job ist, kann ich mir natürlich ein bisschen dekorativen Schnickschnack nicht verkneifen…

Jaja, vermutlich geht es funktionaler

Ich habe blöderweise beim Kauf nicht drauf geachtet und eine Leimholzplatte erwischt, das vordere Drittel der Abflugplatte hat sich dementsprechend nach den ersten zwei Regenschauern schon verabschiedet…

Rechts und links der Türöffnung werden zwei Schienen angebracht, die aus jeweils einer quadratischen und einer flachen, etwas breiteren Leiste bestehen. So kann von oben die Klappe eingeschoben werden. Für die Hühnerklappe haben wir eine sehr dicke Holzplatte verwendet, damit sie im Winter auch etwas gegen Kälte schützt und zugleich so schwer ist, dass ein Marder sie nicht einfach hochschieben kann. Die Klappe ist, um Zugluft zu vermeiden, deutlich breiter und höher als die Öffnung, hat aber rechts und links zu den Führungsschienen 5mm Spiel, damit die Klappe nicht klemmt, wenn das Holz sich ausdehnt. (Die Theorie war gut, aber in der Praxis hing die Klappe trotzdem sehr bald fest und musste noch mal rausgenommen und verkleinert werden.)

Hühnerklappe mit Führungsschienen

Von innen wird der Türausschnitt mit Leisten eingerahmt, damit auch hier kein Viehzeug in die Isolierung krabbeln kann.

Anschließend widmen wir uns der Isolierung des Hühnerstalles. Warum wir uns dafür entschieden haben, könnt ihr hier nachlesen. Sämtliche Wand- und Dachflächen werden mit Styroporplatten ausgekleidet. Das ist teilweise eine ziemliche Puzzlearbeit, klappt aber ansonsten sehr gut.

Isolierung aus Styroporplatten

Für die Belüftung haben wir zwei Plastik-Rohraufsätze besorgt, die mit einem Fliegennetz versehen sind (was man nicht wirklich braucht, da die Fliegen sowieso durch die Hühnerklappe reinkommen). Wichtig war uns nur das Rohr, was wir auf etwas über Wandstärke zugesägt haben, weil wir verhindern wollen, dass Milben oder sonstiges Ungeziefer dort den Weg in die Isolierung finden.

Ein großer Spaß war das Sägen des Loches von zehn Zentimetern Durchmesser, dabei hätte es mich fast von der Leiter geholt. Zum Glück hat es mir aber nur die Bohrmaschine aus der Hand geschlagen und sie flatterte knapp an meiner Nase vorbei nach unten. Die nächsten Löcher macht dann doch lieber der Mann…

Als dritte Schicht unserer Wände kommen wieder OSB-Platten zum Einsatz. Sie werden passgenau zugesägt und dann verschraubt. Das klingt erstmal einfach, kostet aber doch recht viel Zeit, weil ja alles wirklich gut sitzen muss. Vor allem die Lüftungsöffnungen, der Ausschlupf und die Türöffnung sind hier etwas kompliziert.

Auskleidung des Innenraums mit OSB-Platten

Die Platten werden dann grundiert und mehrfach gestrichen, bevor sämtliche kleinen Ritzen und Löcher mit Silikon dichtgeschmiert werden, wobei wir größere Nahtstellen noch mit kleinen Holzleisten abdecken, bevor wir dort wiederum alle Kanten mit Silikon versehen.

Abdichtung der Ecken mit kleinen Holzleisten

Den mehrfach gestrichenen Boden legen wir dann noch mit PVC aus. Das lässt sich gut reinigen, bietet Milben keine Löcher und Ritzen zum Hineinkriechen und kann bei Bedarf einfach ausgetauscht werden. Die Ränder werden natürlich wieder mit Silikon versiegelt.

Im Inneren bringen wir eine Sitzstange an, darunter ein Kotbrett mit Zeitungspapier. Unter das Brett kommen später die Nester.

PVC-Boden in Holzoptik, Kotbrett und Sitzstange

Auch die Veranda wird mit PVC ausgelegt, weil sich die OSB-Platten ja als sehr Feuchtigkeitsempfindlich erwiesen haben. Die Kanten werden mit Plastikleisten geschützt.

Die Veranda

Anschließend kommen noch die Abtropfleisten ans Dach. Schwierig ist der Anbau der Stützpfeiler vorn auf der Veranda. Wenn man sie dort anbringt, wo sie hingehören, dann werden sie schief, an anderer Stelle passen sie aber nicht, weil sie dann zu lang oder zu kurz sind. Keine Ahnung, ob das an den Pfosten liegt oder ob wir beim Zusammenbau irgendwo nicht ganz sorgfältig gearbeitet haben. Aber was soll’s, ’n beten scheev hett Gott leev, und es ist dennoch jetzt schon abzusehen, dass es ein sehr hübsches Hühnerhaus wird.

Gerade geht irgendwie anders

Auch die Menschentür wird dreischichtig aufgebaut und mit einer Lüftungsöffnung versehen, bevor wir sie anbringen.

Aufbau der Tür
Tür mit Lüftung und Riegel

Nun bekommt die Veranda noch ihr Geländer….


Das Geländer hätte man auch weglassen können, aber hübscher ist es mit

… und der Ausschlupf wird überdacht. Zum Öffnen und Schließen der Klappe wird eine Schnur angebracht und über mehrere Ösen an den äußeren Pfosten geführt, damit man die Klappe trockenen Fußes vom Weg aus bedienen kann.

Hühnerklappe überdacht


… und mit einer Schnur zum Öffnen

Zur Klappe führt eine lange Hühnerleiter, die unten auf einem Backstein fußt.

Hühnerleiter

Als Außengehege wird zum Eingewöhnen erstmal ein kleiner Bereich abgesteckt, der später noch erweitert wird, aber das beschreiben wir euch ausführlich in einem weiteren Artikel.

Das Eindecken mit Dachpappe und die Menschenleiter müssen wir erstmal verschieben, denn der Tag des Einzugs ist da. Wir sind wahnsinnig aufgeregt und hoffen, dass die Hühner das Haus gut annehmen werden! Ein Hahn (schwarz-weiß), drei schwarz-weiße Hennen, zwei cremefarbene und eine mit rotbraunem Gefieder bilden unsere erste kleine Herde, die wir euch an anderer Stelle im Einzelnen vorstellen werden..


Noch etwas ängstlich verstecken sich am Tag der Ankunft alle hinter ihrem Hahn

Nach ein paar Tagen im Stall dürfen sie dann zum ersten Mal nach draußen, allerdings gehen ein paar Stunden ins Land, ehe sie sich trauen, die Schnäbel rauszustrecken. Solange machen wir es uns in der ersten Reihe gemütlich.


Warten auf den Beginn der Vorstellung


So richtig geheuer ist es ihnen noch nicht. Aber immerhin wissen wir jetzt, dass ganze sieben Zwerghühner auf eine Platte von 30×40 cm passen.

Wie das Umstallen gelaufen ist und wie sich die Hühner an ihr neues Zuhause gewöhnt haben, berichten wir euch an anderer Stelle.

Erst einige Zeit nach dem Einzug der Hühner bekommt auch das Vordach noch seine Dachpappe und die Treppe für uns Menschen wird angebaut. Irgendwas bleibt ja immer liegen…


Ihr seht, hier hat alles schon deutliche Gebrauchsspuren

Aber damit haben wir endlich unser „Blaues Wunder“ vollbracht 🙂
Vielleicht habt ihr ja bis hierhin durchgehalten, dann  bekommt ihr als Belohnung noch ein paar Impressionen aus verschiedenen Jahreszeiten:

Wie gefällt es euch? Habt ihr noch Verbesserungsvorschläge? Und welche Erfahrungen habt ihr beim Bau eurer Ställe gemacht? Hinterlasst uns doch gerne einen Kommentar!

Liebe Grüße und bis zum nächsten Mal!
Grit und Dennis

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